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| 02.07.2018

Eisenwerte bei OP beachten

Operationen sind oft mit einem hohen Blutverlust verbunden und können somit die Ursache für einen Eisenmangel sein. Deswegen ist eine Kontrolle der Eisenspeicher wenn möglich schon vorab und spätestens danach wichtig.

Damit die Blutgefäße bei einem hohen Blutverlust trotzdem „gefüllt“ bleiben, sickert Flüssigkeit aus den Geweben nach und der Körper beginnt verstärkt Erythropoetin zu produzieren. Es handelt sich dabei um ein Hormon, das die Blutneubildung „ankurbelt“. Damit sorgt der Körper für ausreichend Ersatz an roten Blutzellen, mit dem Sauerstoff transportierenden roten Blutfarbstoff Hämoglobin.

Die Blutneubildung aber ist auf Eisen angewiesen. Das Spurenelement ist der funktionelle Kern des Hämoglobins. Sind die Eisenspeicher vor der Operation schon knapp, kann es kritisch werden. Übersteigt der Bedarf die Vorräte entwickelt sich eine „Blutarmut“ – eine „postoperative Anämie“.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Verletzungen und Blutverluste „Stress“ auslösen können, was im Körper ein leicht entzündliches Milieu hinterlassen kann und Entzündungs-Botenstoffe bremsen die Blutbildung gleich zweimal: Sie blockieren die Eisenaufnahme im Darm und hemmen die Ausschüttung des Erythropoetins. (Quellen: 1-5)

Eisen ist als „Sauerstofftransporter“ Dreh- und Angelpunkt der Leistungsfähigkeit und auch unentbehrlich für die Zellneubildung und Immunabwehr. Eisenmangel und Anämie erhöhen bei Operationen daher das Risiko für Komplikationen. Es werden drei- bis viermal so oft Fremdblutgaben (Bluttransfusionen) benötigt, die mit Risiken wie allergischen Reaktionen oder Infektionen behaftet sind. Die Heilungsprozesse dauern länger, das Herz ist weniger belastbar, die Infektanfälligkeit steigt, der Patient kommt durch Müdigkeit und Abgeschlagenheit schlechter wieder „auf die Beine“. Insgesamt verlängern sich die Erholungsphasen und Krankenhausaufenthalte und auch die Sterblichkeit steigt. (Quellen: 6-11)

Vor und nach der Operation überprüfen

Hauptrisiko ist eine „schlechte Ausgangsbasis“: ein bestehender Eisenmangel vor der Operation. (Quelle: 7) Wenn es die Dringlichkeit erlaubt, raten Ärzte die Eisenspeicher mindestens vier Wochen, besser früher, vor einer Operation untersuchen zu lassen, damit ausreichend Zeit für eine Korrektur bleibt. (Quellen: 6-8) Das gilt besonders für menstruierende Frauen und ältere Patienten, die ein erhöhtes Risiko für einen Eisenmangel tragen.

Spätestens aber nach der Operation ist eine Kontrolle wichtig. Bei leichten Defiziten füllen niedrig dosierte Eisen-Arzneimittel die Speicher schonend. Bei einer Anämie muss eventuell ein höher dosiertes Eisen-Präparat Ausgleich schaffen. Die Entscheidung liegt der Hand des betreuenden Arztes. Sind die Entzündungswerte hoch, ist eventuell auch eine diätetische Behandlung zu erwägen. Präparate mit dem Protein Lactoferrin können die Eisenaufnahme im Darm verbessern mit positivem Einfluss auf das Entzündungsgeschehen.

Quellen

  1. Schümann K et al. On risks and benefits of iron supplementation recommendations for iron intake revisited. Perspectives in Medicine 2014;2:19—39 and Journal of Trace Elements in Medicine and Biology 2007;21:147–168
  2. Moretti D et al. Oral iron supplements increase hepcidin an decrease iron absorption from daily or twice-daily doses in iron-depleted young women. Blood 2015; 126: 1981-1989.
  3. Ganz T et al. Hepcidin, a key regulator of iron metabolism and mediator of anemia of inflammation. Blood 2003;102:783-788
  4. Ludwiczeck S et al. Cytokine-mediated regulation of iron transport in human monocytic cells. Blood 2003;101:4148-4154
  5. Markoulaki D et al. Hemoglobin, erythropoietin and systemic inflammation in exacerbations of chronic obstructive pulmonary disease. Eur J Intern Med 2011 Feb;22(1):103-7.
  6. Kulier A, Gombotz H. Perioperative Anämie. Anaesthesist 2001; 50:73–86
  7. Gombotz H et al. Patient Blood Management (Teil 2) – Praktisches Vorgehen: die 3 Säulen. Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2011; 46: 466–474 
  8. Gombotz H, Zacharowski K,  Spahn DR. Patient Blood Management. Thieme 2013.
  9. Lunn JN, Elwood OC. Anaemia and surgery. BMJ 1970; 3:71-3.
  10. Ranucci M et al. Surgical and Clinical Outcome Research (SCORE) Group. Impact of preoperative anaemia on outcome in adult cardiac surgery:a propensity-matched analysis. Ann Thorac Surg 2012;94:1134-41.
  11. Scrascia G et al. Incremental value of anemia in cardiac surgical risk prediction with the European System for Cardiac Operative Risk Evaluation (EuroSCORE) II model. Ann Thorac Surg. 2014;98:869–75.

Kategorie:

Eisen
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